Evaluation der Nachhaltigkeit der ESF-geförderten Maßnahme „Förderung von laufenden Kosten der überbetrieblichen Unterweisung von Auszubildenden im Handwerk“

Auftraggeber Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westphalen
Laufzeit: 2019
Ansprechpartner: Dr. Stefan Ekert

Zum Hintergrund der Studie

Die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) als ergänzendes Element der betrieblichen Ausbildung in Handwerksberufen wird in Nordrhein-Westfalen mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfond (ESF) gefördert. Das Förderprogramm soll, wie alle ESF-Programme der laufenden Periode, Nachhaltigkeit als Querschnittsziel fördern und dazu beitragen, Klimaschutzziele zu erreichen. InterVal wurde von dem für die Förderung zuständigen Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) in NRW beauftragt, die ÜLU im Handwerk in NRW im Hinblick auf die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele zu evaluieren.

Folgende Fragestellungen waren für die Untersuchung zentral:

  • Welche Bedeutung haben Nachhaltigkeitsinhalte in der ÜLU im Handwerk in NRW?
  • In welchem Maße werden den Auszubildenden ökologische Themen (Umweltschutz, energie- und ressourcenschonendes Handeln, Klimaschutz usw.) im Rahmen der ÜLU- Lehrgänge vermittelt?
  • Mit welchen Methoden werden diese Inhalte erfolgreich vermittelt?
  • Wenden die Auszubildenden Gelerntes zu diesen Themen in ihren Ausbildungsbetrieben an und welche Einsparpotenziale ergeben sich daraus für die berufliche Praxis (vgl. MAGS 2018)?

Aus der Gesamtheit der zu erhebenden Daten und auszuwertenden Dokumente sollten Erfolgsfaktoren ermittelt und Empfehlungen erarbeitet werden wie Nachhaltigkeitsinhalte in ÜLU-Lehrgängen zukünftig noch effektiver und praxisnäher vermittelt werden können.

Über die Evaluation

Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurden fünf aufeinander aufbauende Arbeits- bzw. Analyseschritte durchgeführt.

  • Analyse von Programmdaten und Teilnahmefällen des Jahres 2018 u. a. zur Verteilung auf verschiedene ÜLU-Kurse (n=473), Grund- und Fachstufe sowie Kurse verschiedener Nachhaltigkeitskategorien. Die Auswertung der Programmdaten bildete die Grundlage für die Ziehung einer repräsentativen Stichprobe von Kursen (n=25) für die Befragung von Teilnehmenden und Kursleitenden.
  • Schriftliche standardisierte Befragung von Auszubildenden bzw. Kursteilnehmenden (n=1761) am letzten Tag des ÜLU-Lehrgangs und
  • von 152 Ausbildenden sowie
  • 20 telefonische Interviews mit Auszubildenden ca. vier Wochen nach Kursende insb. zur Frage nach der betrieblichen Anwendung des in der ÜLU Erlernten.

Anschließend wurden die zuvor gewonnenen Befunde der verschiedenen Einzelerhebungen und Auswertungen zusammengeführt und vergleichend gegenübergestellt. Dabei wurde u. a. geprüft, inwieweit die Ergebnisse der qualitativen Befragung von Auszubildenden die Ergebnisse der standardisierten Befragungen ergänzen und validieren können. Um Aussagen z. B. darüber zu erhalten, ab welcher „Vermittlungsintensität“ sich messbare Lernerfolge bei den Auszubildenden einstellen und welche Vermittlungsmethoden effektiver sind als andere, wurden zudem statistische multivariate Analysen zu Einflussfaktoren auf Lernerfolge in der ÜLU durchgeführt. Ausgehend von der Stichprobe wurden für Aussagen zum Gesamtprogramm weiterhin Hochrechnungen erstellt.

Aus den zusammengeführten Ergebnissen wurden abschließend Erfolgsfaktoren und Handlungsempfehlungen abgeleitet, wie die verschiedenen Nachhaltigkeitsinhalte künftig noch effektiver an Lernende vermittelt und für diese nutzbar gemacht werden können.

Ergebnisse

Die Evaluation hat gezeigt, dass die überwiegende Mehrheit der ÜLU-Kurse, deren Teilnahme aus Mitteln des ESF in NRW gefördert wird, nachhaltigkeitsrelevante Inhalte auf Ebene der Unterweisungspläne enthalten und diese Inhalte auch Gegenstand der Durchführung dieser Kurse in Form von Lehrgängen sind.
Obwohl die ÜLU-Lehrgänge in der Regel nur eine Woche lang sind und Fragen der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes nur Querschnittscharakter haben – im Mittelpunkt der ÜLU-Kurse stehen berufsspezifische praktische Fertigkeiten und Kenntnisse, die dort vermittelt und erlernt werden sollen – hat fast jeder zweite ÜLU-Teilnehmende eigenen Angaben zufolge auch gelernt, wo Fragen des Umweltschutzes und/ oder des sparsamen Einsatzes von Energie und Material im eigenen beruflichen Handlungsbereich wichtig sind. Dies ist auch insofern ein hoher Wert, weil die ÜLU an sich so konzipiert ist, dass sie einen einheitlichen Mindeststand an Qualität für alle Auszubildende sichern soll und es von daher ganz normal ist, dass Teilnehmende aus „besseren“ Ausbildungsbetrieben in der ÜLU weniger dazulernen als andere Teilnehmende.
Unabhängig von den Ausgangslagen, die je nach Ausbildungsbetrieb unterschiedlich sind, zeigen die durchgeführten Analysen, dass die Lerneffekte bei den Teilnehmenden v. a. davon abhängen, wie viele Nachhaltigkeitsinhalte im Unterweisungsplan enthalten sind und welches Gewicht das Ausbildungspersonal diesen beimisst. Dass sich für die Vermittlung dieser Themen eine Methode besonders eignet, kann durch die Analyse der Daten nicht bestätigt werden. Zielführend scheint eher ein Mix aus mehreren unterschiedlichen Methoden zu sein.
In unserem Abschlussbericht lassen sich alle Ergebnisse im Detail nachlesen:

Ekert, St. / Otto, K. / Jahn, J. / Poel, L. (2019). Evaluation der Nachhaltigkeit der ESF-geförderten Maßnahme „Förderung von laufenden Kosten der überbetrieblichen Unterweisung von Auszubildenden im Handwerk“. Abschlussbericht. Berlin. Volltext