Evaluation im Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus

Auftraggeber Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Laufzeit: 2017 – 2020
Ansprechpartnerin: Dr. Nikola Ornig

Über das Programm

Mehrgenerationenhäuser definieren sich als „Begegnungsorte, an denen das Miteinander der Generationen aktiv gelebt wird“. Mit dem Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus förderte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von 2017 bis 2020 bundesweit knapp 540 Einrichtungen, die mit dem Engagement vieler freiwillig Engagierter verschiedenste Angebote für die Bevölkerung vor Ort umsetzten – für Menschen aller Altersgruppen und unterschiedlicher kultureller und sozialer Herkunft. Kern eines jeden Mehrgenerationenhauses ist ein sogenannter „Offener Treff“, d. h. Räumlichkeiten in denen Besucherinnen und Besucher ihre Zeit verbringen, Kontakte knüpfen und verschiedene niedrigschwellige Beratungs- oder Bildungsangebote wahrnehmen können.

Zentral für die Arbeit der Mehrgenerationenhäuser ist die Orientierung am Sozialraum der jeweiligen Einrichtung: Die Bedarfe der Bürgerinnen und Bürger sowie die Gegebenheiten des Wirkungsgebietes bestimmen die inhaltliche Ausrichtung der Angebote, die unter aktiver Beteiligung der Zielgruppen selbst realisiert werden. Weiterhin bedeutend sind die Vernetzung und Kooperation der Mehrgenerationenhäuser mit ihren kommunalen Partnern. Mit dem Programm möchte der Bund die Kommunen bei der Bewältigung der vielfältigen Herausforderungen des demografischen Wandels stärken.

Über die Evaluation

In unserer Rolle als Programmpartnerin für die Evaluation des Bundesprogramms hatten wir folgende zentrale Aufgaben:

Erstens generierten wir programmbegleitend belastbare empirische Erkenntnisse zur Arbeit der Mehrgenerationenhäuser, zu Ansätzen zur Gestaltung des demografischen Wandels und zu zukunftsorientierter Demografie- und Sozialraumplanung. Hierfür wurden verschiedene Erhebungs- und Austauschformate eingesetzt. Diese umfassten u. a. mehrfache standardisierte Befragungen der Koordinatorinnen und Koordinatoren, der kofinanzierenden Kommunen, der freiwillig Engagierten sowie der Nutzerinnen und Nutzer aus den Häusern. Persönliche Interviews mit einer Auswahl aus den genannten Personengruppen, u. a. im Rahmen von Vor-Ort-Fallstudien bei ausgewählten Häusern, ermöglichten darüber hinaus Aussagen über Ansätze, Angebote, Herausforderungen und Wirkungen. Neben der fachlichen Bewertung des Bundesprogramms war außerdem Ziel der Analyse, empirisch gestützt „gute Praxis“ abzuleiten und für den Transfer auf Bundesebene aufzubereiten. Wir unterstützten zudem jährliche Fachtage für die Mitarbeitenden der Mehrgenerationenhäuser, die dem Austausch dienten und Impulse für die Weiterentwicklung der Mehrgenerationenhäuser setzen konnten.

Zweitens begleiteten wir federführend den Sonderschwerpunkt „Qualitätskriterien der Mehrgenerationenhäuser für ihre Arbeit“, in dem ein gemeinsamer Rahmen für die Arbeit der Mehrgenerationenhäuser formuliert und modellhaft erprobt wurde. Der Prozess wurde sehr partizipativ gestaltet und umfasste u. a. Workshops mit ausgewählten Mehrgenerationenhäusern, eine Veranstaltung zur Vorstellung und Diskussion der Qualitätskriterien mit allen Mehrgenerationenhäusern sowie die fachliche Begleitung der Erprobung durch Vor-Ort-Besuche und eine Handreichung.

Ergebnisse

Die Evaluation konnte zeigen, dass Mehrgenerationenhäuser als Einrichtungen sozialer Infrastruktur sehr etabliert und mit wesentlichen kommunalen Akteuren vernetzt sind. Mehrgenerationenhäuser setzen verschiedenste Impulse für sozialen Zusammenhalt und die Gestaltung demografischer Veränderungen in ihrem Wirkungsgebiet, indem sie bspw. intergenerative Begegnungen und Austausch fördern, Angebote vernetzen und niedrigschwellige Teilhabemöglichkeiten eröffnen.

Der unter Begleitung von InterVal durch die Mehrgenerationenhäuser erarbeitete Kriterienkatalog „Qualitätskriterien der Mehrgenerationenhäuser für ihre Arbeit“ wurde im Mai 2020 veröffentlicht. Allen Mehrgenerationenhäusern wurde zudem eine Handreichung für die Arbeit mit dem Kriterienkatalog zur Verfügung gestellt.

Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse finden Sie im Abschlussbericht der Programmevaluation:

Ornig, N. / Suchowitz, I. / Valtin, A. / Kraft, C. (2021). Evaluation im Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus. Abschlussbericht. Berlin. VOLLTEXT

Ausgewählte Ergebnisse der Evaluation können Sie nachlesen in:

Ornig, N. (2020). Soziale Teilhabe für alle Generationen – Angebote und Engagementmöglichkeiten in „Mehrgenerationenhäusern“. In: Jürges, H. / Siegrist, J. / Stiehler, M. (Hrsg.). Männer und der Übergang in die Rente. Vierter Deutscher Männergesundheitsbericht der Stiftung Männergesundheit. Psychosozial Verlag. Gießen, S. 259 – 264.

Beachten Sie auch unsere Online-Artikel:

Ornig, N. (2020). Blick in die Statistik: Der Beitrag der Mehrgenerationenhäuser zum sozialen Zusammenhalt in Kommunen. In: BMFSFJ: Mehrgenerationenhäuser – engagiert für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Themendossier. Juli 2020, abrufbar unter: https://www.mehrgenerationenhaeuser.de/fachinformationen/themendossiers/mehrgenerationenhaeuser-engagiert-fuer-gesellschaftlichen-zusammenhalt/

Ornig, N. / Suchowitz, I. / Valtin, A. (2019). Blick in die Statistik: Einbindung und Teilhabe von jungen Menschen in Mehrgenerationenhäusern. In: BMFSFJ: Jung und engagiert in den Mehrgenerationenhäusern. Themendossier. Dezember 2019, abrufbar unter: https://www.mehrgenerationenhaeuser.de/index.php?id=655

Ornig, N. (2018). Mehrgenerationenhäuser als „Ermittler“ und „Vermittler“ von Bedarfen der Menschen. In: BMFSFJ: Mehrgenerationenhäuser – Hören, was gebraucht wird. Themendossier. Mai 2018. VOLLTEXT