Evaluation des Kölner Bildungsmodells

Auftraggeber Bertelsmann Stiftung
Laufzeit: 2017 – 2019
Ansprechpartner: Dr. Stefan Ekert

Zum Hintergrund der Evaluation

Das Kölner Bildungsmodell (KöBi) wurde im Jahr 2014 vom Kölner Bündnis für Arbeit ins Leben gerufen. Es ist ein an den besonderen Bedarfen der Zielgruppe von Langzeitarbeitslosigkeit betroffener und gering qualifizierter Menschen – insbesondere aus dem Rechtskreis des SGB II – ausgerichtetes Modell der modularen beruflichen Qualifizierung.
Das Modell zeichnet sich konzeptionell durch neun Merkmale aus:

1. Der Qualifizierung ist ein Profiling vorgeschaltet, das allen Beteiligten dazu dient, die Passung des Angebots zu den vorhandenen Bedarfen, Interessen und Möglichkeiten der Teilnehmenden zu prüfen.

2. Der Einstieg in das Modell ist nahezu laufend möglich, sodass Wartezeiten vermieden werden und das Qualifizierungsinteresse erhalten bleibt.

3. Die Qualifizierung kann von den Teilnehmenden im Bedarfsfall unterbrochen werden. Ihnen wird garantiert, diese im Anschluss fortführen zu können. Die Garantie bezieht sich sowohl auf das Qualifizierungsangebot als auch auf dessen Finanzierung – sie gilt für bis zu acht Jahre.

4. Die Qualifizierung ist modular aufgebaut. Jedes der einzelnen Qualifizierungsmodule wird mit einem Bildungsgutschein zur Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW- Bildungsgutschein) finanziert.

5. Der Erwerb aller Qualifizierungsmodule ermöglicht die Zulassung zur sogenannten Externenprüfung der Kammern und kann auf diesem Weg zu einem vollwertigen Berufsabschluss führen.

6. Die einzelnen Qualifizierungsmodule sind in der Regel nicht – wie in anderen Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung – gegenüber der Vermittlungsdauer in der Erstausbildung um ein Drittel verkürzt. Im Kölner Bildungsmodell wird den Teilnehmenden somit mehr Lernzeit als in Standardmaßnahmen (mit der Rechtsgrundlage § 180 Abs. 4 Satz 1 SGB III) gewährt.

7. Zur persönlichen Unterstützung und Stabilisierung wird den Teilnehmenden ein individuelles begleitendes Coaching angeboten.

8. Bestandteil jedes einzelnen Qualifizierungsmoduls sind betriebliche Praxisphasen, deren Anteil an der gesamten Qualifizierungsdauer bei etwa einem Drittel liegt.

9. An jedes absolvierte Qualifizierungsmodul schließt sich eine Kompetenzfeststellung der lokalen Kammer an. Im Erfolgsfall erhalten die Teilnehmenden ein Kammerzertifikat über das bestandene Qualifizierungsmodul, im Misserfolgsfall kann die Kompetenzfeststellung zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden.

Das Kölner Bündnis für Arbeit ist ein Zusammenschluss von zentralen Akteuren aus Wirtschaft und Verwaltung. Ihm gehören Vertretende der Jobcenter, der Agentur für Arbeit, der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer, unterschiedlicher Dezernate und Ämter der Stadt Köln sowie einer Gewerkschaft (DGB) und eines Arbeitgeberverbandes (Kölnmetall) an. Allen Befürchtungen und Ungewissheiten zum Trotz entschlossen sich diese Partner, das Kölner Bildungsmodell in einer Pilotphase mit 500 Teilnehmenden zu erproben und zu unterstützen.

Über die Evaluation

In der etwa einjährigen Evaluation des Modells bauten qualitative und quantitative Untersuchungsschritte aufeinander auf:

  • Qualitative Interviews wurden mit den Projektverantwortlichen, anderseits aber auch mit den operativ beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Teilnehmenden und Unternehmen geführt.
  • Weitere Erkenntnisse dazu, wie die Besonderheiten des Kölner Bildungsmodells auf die spezielle Zielgruppe wirkten, wurden in Fokusgruppen und
  • einer standardisierten Befragung (n=500) mit Teilnehmenden in unterschiedlichen Phasen der Qualifizierung erhoben.
  • Darüber hinaus wurden in die Auswertung auch die Monitoringdaten der Bildungsträger einbezogen und eine Optimierung des bestehenden Monitorings begleitet.

Zum Ende der Evaluation wurde eine Einschätzung dazu vorgenommen, ob und wie eine Ausweitung des Kölner Bildungsmodells auf andere Regionen, andere Berufsgruppen und andere Zielgruppen sinnvoll ist.

Ergebnisse

Aufgrund der Anlage des Modells, der mehrjährigen Dauer einer Qualifizierung bis zum Berufsabschuss und des relativ frühen Zeitpunkts der Evaluation konnten die Erfolge des Modells noch nicht abschließend eingeschätzt werden, denn viele Teilnehmende befanden sich noch in der Qualifizierung bzw. pausieren aktuell. Es zeichnete sich jedoch bereits ab, dass das Modell sehr viel mehr Personen zum Berufsabschluss verhilft, als von den Initiatoren und auch von Kennerinnen und Kennern der Zielgruppe anfangs erwartet wurde.

Die Mehrkosten des Modells gegenüber klassischen FbW-Gruppenmaßnahmen sind trotz des hohen Unterstützungs- und Individualisierungsgrades eher gering. Sie resultieren v. a. aus der längeren Dauer der Qualifizierung und dem begleitenden Coaching. Für die mit dem Modell angesprochene Zielgruppe, die an systematisches Lernen erst wieder herangeführt werden muss, sind aber gerade ausreichend Zeit und Ruhe zum Lernen sowie eine individuelle Unterstützung und Begleitung unabdingbare Voraussetzungen für eine erfolgreiche berufliche Qualifizierung.

Die ausführlichen Ergebnisse und Empfehlungen können hier nachgelesen werden:

Ekert, St. / Jahn, J. (2018). Endbericht zur Evaluation des Kölner Bildungsmodells. Abschlussbericht. Berlin.VolltextKurzfassung