Evaluation des BMBF Programms zur Förderung der Berufsorientierung in überbetrieblichen und vergleichbaren Berufsbildungsstätten

Auftraggeber Bundesinstitut für Berufsbildung
Partner:
  • Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung, Leibniz Universität Hannover
  • qualiNETZ – Beratung und Forschung GmbH
Laufzeit: 2013 – 2017
Ansprechpartner: Dr. Jörn Sommer

Zum Hintergrund

Eine erfolgreiche Berufsorientierung sowie die Ausbildung von Berufswahlkompetenz kann dazu beitragen, Jugendlichen den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern. Um die Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern zu stärken, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung seit 2008 das Programm zur „Berufsorientierung in überbetrieblichen und vergleichbaren Berufsbildungsstätten“ (BOP). Das Angebot des BOP richtet sich vor allem an Schülerinnen und Schüler, die maximal den Abschluss der Sekundarstufe 1 anstreben. Eine Potenzialanalyse hilft ihnen, ihre personalen, sozialen und methodischen Stärken zu erkunden und fördert ihr Interesse, sich näher mit dem Thema Berufswahl auseinanderzusetzen. In darauf folgenden zweiwöchigen Werkstatttagen werden praxisnah verschiedene Berufsfelder erprobt. Die Jugendlichen können hier ihre eigenen Kompetenzen und Neigungen mit den realen Anforderungen der Berufsfelder abgleichen und die Erfahrungen daraus bei der späteren Wahl von Betriebspraktika nutzen

Über die Evaluation

Über eine Dauer von 4,5 Jahren hat InterVal mit Partnern die Evaluation des BOP vorgenommen Sie umfasste sowohl summative als auch formative Ansätze. Es galt, die Erreichung der Zielsetzungen zu überprüfen sowie Handlungsempfehlungen zur Optimierung des Programms abzuleiten. Das Design hebt die Studie aufgrund des Erhebungsumfangs und der Komplexität von bisherigen Untersuchungen zur Berufswahlkompetenz ab. Gewählt wurde ein Mix aus großen qualitativen und quantitativen Erhebungen, die zudem ein Kontrollgruppendesign beinhalteten. Es wurden sowohl Längsschnitterhebungen als auch einmalige Querschnittsbefragungen durchgeführt, woraus sich sieben Module ergaben:

  • Um qualitative Aussagen über die Entwicklungen der Schülerinnen und Schüler abzuleiten, wurden in einer Längsschnittstudie Interviews zu vier verschiedenen Zeitpunkten geführt. Das Panel umfasste bis zur Nachbefragung 174 Schülerinnen und Schüler.
  • Dem zur Seite stand eine quantitative Längsschnittstudie mit drei Befragungen von der siebten bis zur neunten Klasse (1. Welle: n=2.294; 3. Welle: n=1.408).
  • Ergänzt wurde dies durch eine einmalige Befragung von über 2.000 Schülerinnen und Schülern in Abgangsklassen.
  • In Berufsbildungsstätten wurden überdies Beobachtungen zur Umsetzung durchgeführt, die durch reflektierende Interviews ergänzt wurden.
  • Die involvierten Bildungsstätten wurden zudem halbstandardisiert vier Mal u.a. zu Themen der Umsetzung, Rahmenbedingungen und Wirkungen befragt.
  • Zusätzlich wurde eine Befragung von Lehrkräften an 257 Schulen zu ihren Erfahrungen mit dem BOP durchgeführt.
  • Begleitend haben wir die vorhandenen Prozessdaten des BOP analysiert.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Evaluation sind in jeweils vier Zwischen- und Sonderberichten sowie dem in der Reihe „Berichte zur beruflichen Bildung“ veröffentlichten Abschlussbericht dokumentiert. Überdies wurden sie in zahlreichen Präsentationen auf Jahrestagungen und anderen Fachveranstaltungen vorgestellt.
Die Wirkung des BOP auf die Berufswahlkompetenz ist stark von der individuellen Situation der Schülerinnen und Schüler abhängig. Die Mehrheit von ihnen gibt jedoch an, dass die unmittelbaren Ziele des BOP (eher) erreicht werden. Ihre subjektiven Einschätzungen werden durch Lehrkräfte und Wiederholungsmessungen zum Stand der Berufswahlkompetenz bestätigt. Zudem gibt das BOP der schulischen Verankerung von Berufsorientierung eine Struktur und hilft, die Aktivitäten und Entscheidungen der Schülerinnen und Schüler mit den Unterstützungsleistungen der Schulen und externer Partner zu verzahnen. Vor diesem Hintergrund empfehlen wir die Förderung des Programms fortzusetzen.
Gleichwohl arbeiteten wir zahlreiche und zum Teil konkrete Optimierungsbedarfe heraus, wenn vom BOP auch zukünftig noch wesentliche Impulse zum State of the Art der Berufsorientierung ausgehen sollen. Diese reichen von der Gestaltung der Potenzialanalysen und der Werkstatttage über die Auswahl der Berufsfelder bis hin zur stärkeren Reflexion von Erfahrungen. Wir empfehlen somit auch, das BOP weiterzuentwickeln.

Details zu den Ergebnissen können Sie dem Abschlussbericht entnehmen:

Ratschinski, G. / Sommer, J. / Kunert, C. (2015). Berufswahlkompetenz und ihre Förderung. Evaluation des Berufsorientierungsprogramms BOP. Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.). Bonn 2018. Volltext