Evaluation eines Projektes zur Beratungsgestützten Einführung des betrieblichen Lohntestverfahrens Logib-D

Auftraggeber Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) 
Partner: Kienbaum Management Consultants GmbH
Laufzeit: 2013 – 2015
Ansprechpartner: Dr. Stefan Ekert

Über das Projekt

Logib-D („Lohngleichheit im Betrieb – Deutschland“) ist ein anonym und freiwillig zu nutzendes Lohntestverfahren für Unternehmen, womit Arbeitgeber und Personalverantwortliche Entgeltunterschiede zwischen ihren weiblichen und männlichen Mitarbeitenden analysieren können. Das Verfahren wird seit 2009 in Form eines Web- bzw. Excel-Tools vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) kostenlos zur Verfügung gestellt. Mittels einer statistischen Regressionsanalyse werden entgeltrelevante personen- und arbeitsplatzbezogene Merkmale berücksichtigt: unter anderem Ausbildungs- und Betriebsjahre, Berufserfahrung, berufliche Anforderungen, Personalverantwortung und Erwerbsunterbrechungen. So kann für das jeweilige Unternehmen eine bereinigte Entgeltdifferenz zwischen Mitarbeitenden unterschiedlichen Geschlechts berechnet werden. Das BMFSFJ finanzierte bis Ende 2013 für 200 Unternehmen die fachliche Begleitung der Einführung von Logib-D durch spezialisierte Unternehmensberatungen, die auch halfen, Schlussfolgerungen aus der Datenanalyse zu ziehen und Handlungsoptionen zu entwickeln. Dadurch sollten die erstanwendenden Unternehmen bei der Analyse und geschlechtergerechten Neugestaltung ihrer Entgeltstrukturen unterstützt und eine Grundlage für eine schnellere Verbreitung von Logib-D geschaffen werden.

Über die Evaluation

Um die Akzeptanz und Wirksamkeit der beratungsgestützten Einführung von Logib-D sowie den Bekanntheitsgrad des Lohntestverfahrens zu untersuchen, setzten wir ein Forschungsvorgehen mit den folgenden Komponenten um:

  • Zum Zweck der Reichweitenerfassung wurden Monitoring- und Förderdaten zum Projekt sowie Zugriffsstatistiken zur Nutzung des Tools analysiert.
  • Eine repräsentative telefonische Befragung (CATI) wurde durchgeführt, um die Perspektiven der Unternehmen zu erfassen, die zur Zielgruppe des Verfahrens gehörten.
  • Weiterhin wurden qualitative Interviews mit Beiratsmitgliedern und Stakeholdern geführt, aus denen im Rahmen einer Wirkungsanalyse Kernaussagen generiert wurden.
  • Die Unternehmen, die Logib-D bereits nutzten, standen im Fokus einer anonymen Online-Befragung.
  • Es wurden darüber hinaus Befragungen mit den Unternehmensberaterinnen und -beratern zu ihren Erfahrungen und Eindrücken von der Zusammenarbeit mit den Unternehmen durchgeführt. Dafür evaluierten wir auch den Austausch in Erfahrungszirkeln.
  • Um das Bild zu komplettieren, wurde eine Analyse des Aufwandes seitens der Unternehmen für die Teilnahme am Verfahren durchgeführt.

Ergebnisse

Unsere Analysen ergaben, dass Logib-D nach seiner Einführung von einer heterogenen Gruppe von Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen genutzt wurde, wobei Unternehmen mit 500 oder mehr Mitarbeitenden unter den Nutzern überproportional stark vertreten waren. Die repräsentative Unternehmensbefragung gab auch Aufschluss über die Nichtnutzer: Für die große Mehrheit von ihnen war Logib-D seinerzeit noch unbekannt. Die analysierte bereinigte Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern im eigenen Unternehmen fiel in sehr vielen Fällen überraschend gering aus, insbesondere in tarifgebundenen Unternehmen. Wo größere bereinigte Entgeltlücken zu Tage traten, war die Bereitschaft die Ergebnisse unternehmensintern oder auch darüber hinaus zu veröffentlichen deutlich geringer. Die Teilnahme an Logib-D wurde von einem Teil der Unternehmen als Teil von bereits bestehenden oder neu entwickelten Kommunikations-, Vermarktungs- und Rekrutierungsstrategien gesehen.